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Wer durch die Friedrichstraße in Westerland läuft, kann neuerdings einen ziemlich ungewöhnlichen Kauf tätigen: Man bezahlt drei Euro – und bekommt dafür null Euro zurück.
Genauer gesagt: einen 0-Euro-Souvenirschein mit Sylt-Motiv. Der Schein sieht auf den ersten Blick ein wenig wie echtes Geld aus, trägt eine große Null und zeigt auf der Vorderseite die Insel. Bezahlen kann man damit natürlich nichts. Dafür ist er auch nicht gedacht. Er ist ein Souvenir – und Teil einer mittlerweile internationalen Sammelwelt.
Wir haben uns den Sylt-Schein und den Automaten, aus dem er kommt, einmal genauer angesehen.

Ein 0-Euro-Schein aus Westerland
Der von uns entdeckte Automat steht in der Friedrichstraße bei „I ♥ Sylt“ in Westerland, mitten in der zentralen Einkaufsstraße. Dass die Friedrichstraße Westerlands Hauptgeschäfts- und Flaniermeile ist, passt durchaus zum Konzept: Solche Automaten werden bevorzugt dort platziert, wo viele Besucher unterwegs sind.


Der Sylt-Schein kostet 3 Euro. Aufgedruckt ist die Bezeichnung „Insel Sylt“, dazu kommt ein Inselmotiv. Es handelt sich um einen sogenannten MemoEuro.
Und damit beginnt eine kleine Besonderheit: Denn 0-Euro-Schein ist nicht gleich 0-Euro-Schein.
Die Idee des Geldscheins, der nichts wert ist
Die Geschichte der 0-Euro-Souvenirscheine beginnt nicht auf Sylt und auch nicht beim Hersteller des Westerländer Automaten.
Als Initiator des ursprünglichen Konzepts gilt der Franzose Richard Faille. 2015 kamen in Frankreich die ersten sogenannten Euro-Souvenir-Scheine heraus. Die Idee war so einfach wie clever: Ein Souvenir sollte aussehen und sich anfühlen wie ein Geldschein, einen touristischen Ort oder eine Sehenswürdigkeit zeigen – aber einen Nominalwert von exakt 0 Euro besitzen.
Das Konzept verbreitete sich schnell. Seit 2016 gibt es entsprechende Ausgaben auch in Deutschland. Sehenswürdigkeiten, Museen, Städte und touristische Attraktionen ließen eigene Motive produzieren.
Die Scheine wurden damit zu etwas zwischen Urlaubserinnerung und Sammelobjekt. Wie bei Briefmarken oder Münzen interessieren sich Sammler für unterschiedliche Motive, Serien und Ausgaben.
Aber: Der Sylt-Schein gehört zu einem anderen System
Hier lohnt es sich, genau hinzusehen.
Der Schein aus dem Westerländer Automaten gehört zur Serie MemoEuro. Dahinter steht Euroscope aus Wuppertal. Das Unternehmen ist auf Aussichtsfernrohre und Souvenirautomaten für touristische Standorte spezialisiert.
Der MemoEuro ist also nicht einfach der bekannte Euro-Souvenir-Schein von Richard Faille unter anderem Namen, sondern ein eigenes Souvenirprodukt.
Euroscope beschreibt seine MemoEuro-Scheine als limitierte Souvenirscheine aus 100 Prozent Baumwollpapier. Sie werden jeweils mit einem individuellen Motiv des Standortes gestaltet.
Der aktuelle Sylt-Schein wird in Sammlerkreisen unter der Kennung EAAA302/1 geführt.
Sylt gab es schon früher für null Euro
Interessant ist außerdem: Der von uns gefundene Schein ist offenbar nicht der erste MemoEuro mit Sylt-Motiv.
In Sammlerdokumentationen finden sich bereits frühere Ausgaben mit Bezeichnungen wie EAAA111/1, EAAC111/2 und EAAA111/3. Darunter befindet sich beispielsweise eine Variante mit Sylter Leuchttürmen.
Der Null-Euro-Schein hat auf Sylt also bereits eine kleine Vorgeschichte. Motive und Serien verändern sich – und genau das macht sie für Sammler interessant.
Wer baut den Automaten?
Mindestens ebenso interessant wie der Schein ist die Maschine, aus der er kommt.
Auf dem Typenschild des von uns fotografierten Gerätes steht Automaten Winkels GmbH & Co. KG aus Wuppertal. Als Bezeichnung ist „MemoA3 (Memototal)“, Typ 7, angegeben. Das Baujahr ist 2025, die am Gerät angebrachte Servicenummer lautet 5592.
Die Marke auf dem Automaten: Euroscope.
Das Wuppertaler Unternehmen blickt nach eigenen Angaben auf eine Geschichte zurück, die bis 1926 reicht. Bekannt ist Euroscope insbesondere für die klassischen Aussichtsfernrohre, die an touristischen Orten stehen. Heute gehören auch verschiedene Souvenirautomaten zum Geschäft.
Euroscope bietet beispielsweise Automaten an, an denen Besucher selbst Münzen prägen können, Spender für fertige Souvenirmedaillen sowie Automaten für MemoEuro-Scheine. Hinzu kommen Kombinationsgeräte, die mehrere dieser Funktionen zusammenbringen.
Drei verschiedene Erinnerungen an Sylt
Genau ein solches Kombinationsgerät steht in der Friedrichstraße.
Wer vor dem blauen Automaten steht, hat drei Möglichkeiten. Für 3 Euro gibt es den Sylt-MemoEuro. Ebenfalls 3 Euro kostet eine fertige Memodaille mit Inselmotiv.
Die dritte Variante kostet 2 Euro: Dabei wird eine kleine Münze beziehungsweise ein Rohling im Automaten geprägt. Auf dem Westerländer Gerät stehen verschiedene Sylt-Motive zur Auswahl, darunter „I ♥ Sylt“.

Der Automat akzeptiert laut Anzeige Bargeld oder Kartenzahlung.
Damit steckt in dem unscheinbaren blauen Kasten im Grunde ein kompletter kleiner Souvenirladen – ohne Verkäufer und auf kaum mehr als einem Quadratmeter.
Ist ein 0-Euro-Schein echtes Geld?
Nein.
Auch wenn Gestaltung, Papier und die große Wertangabe bewusst an Banknoten erinnern, handelt es sich um ein Souvenir und nicht um ein gesetzliches Zahlungsmittel. Der aufgedruckte Wert von null Euro ist deshalb durchaus wörtlich zu nehmen.
Das Kuriose daran ist gleichzeitig der Kern des Geschäftsmodells: Der Käufer bezahlt nicht für einen Geldwert, sondern für das Motiv, die Erinnerung und gegebenenfalls den Sammlerwert.
Und genau deshalb funktioniert die Idee.
Ein ziemlich analoges Souvenir
Vielleicht liegt genau darin der Reiz.
Urlaubsbilder verschwinden heute zu Tausenden auf dem Smartphone. Der kleine Schein aus Westerland funktioniert anders. Man geht zu einem Automaten, entscheidet sich für ein Motiv, bezahlt – und hält anschließend etwas in der Hand.
Man kann es in die Schublade legen, sammeln, verschenken oder Jahre später zwischen alten Urlaubserinnerungen wiederfinden.
Und wer das ausprobieren möchte, findet den von uns fotografierten Automaten derzeit in der Friedrichstraße 9 in Westerland.
Drei Euro einwerfen, Sylt mitnehmen.
Wert: 0 Euro.
Als Erinnerung möglicherweise etwas mehr.



