Freitag, August 29, 2025

Der rätselhafte Schnabelwal – ein tiefer Blick auf einen geheimnisvollen Meeresbewohner

Intro

Der aktuelle Vorfall auf Sylt sorgt für Aufmerksamkeit: Ein stark abgemagerter Entenwal (Hyperoodon ampullatus) strandete an der Küste und musste schließlich eingeschläfert werden.1 Dieses Ereignis macht deutlich, wie wenig wir über diese faszinierende Tierfamilie wissen. Die Schnabelwale (Ziphiidae) gehören zu den geheimnisvollsten Bewohnern der Ozeane, mit zahlreichen Arten, die bis heute kaum erforscht sind.

Merkmale und Aussehen

Schnabelwale sind eine Familie der Zahnwale und nach den Delfinen die artenreichste Gruppe dieser Unterordnung: Derzeit sind 24 Arten bekannt. Charakteristisch ist die langgestreckte Schnauze („Schnabel“), die sie deutlich von anderen großen Walen unterscheidet.

Die Körperlänge variiert zwischen 4 und 13 Metern. Auffällig ist, dass erwachsene Männchen oft nur zwei große Zähne im Unterkiefer tragen, die bei Rivalenkämpfen eingesetzt werden.

Der Entenwal – der große Nordatlantik-Bewohner

Der Entenwal, auch Nördlicher Entenwal genannt, ist eine der größten Arten innerhalb der Schnabelwale.

  • Größe: Männchen erreichen bis zu 10 Meter Länge, Weibchen etwa 8 Meter.
  • Aussehen: Markant ist die gewölbte Stirnpartie („Melone“), die an einen Entenschnabel erinnert.
  • Lebensraum: Entenwale bewohnen den Nordatlantik – von Grönland bis Spitzbergen, Island und Kanada. Strandungen in der Nordsee sind selten, aber dokumentiert, darunter auch Sylt.
  • Sozialverhalten: Sie leben in kleinen Gruppen von 4–10 Tieren.
  • Bestand: Weltweit wird ihre Population auf 50.000–80.000 Individuen geschätzt.

Vorkommen und Lebensraum

Die meisten Schnabelwale leben bevorzugt in tiefen Gewässern fernab der Küsten. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle tropischen und gemäßigten Ozeane. Arten wie der Blainville-Schnabelwal können in der Nähe ozeanischer Inseln wie Madeira beobachtet werden.

Der Entenwal bildet hier eine Besonderheit, da er arktische und subarktische Regionen bewohnt und nur ausnahmsweise bis in die Nordsee vordringt.

Fortpflanzung und Entwicklung

Über die Fortpflanzung ist bei vielen Arten wenig bekannt. Weibchen erreichen ihre Geschlechtsreife im Alter von etwa 8–10 Jahren. Die Trächtigkeit dauert rund 12 Monate, geboren wird ein einzelnes Kalb, das intensiv betreut wird – typisch für K-Strategen.

Beim Entenwal gebären Weibchen in Abständen von 2–3 Jahren.

Ernährung und Verhalten

Schnabelwale sind hochspezialisierte Tiefseetaucher.

  • Entenwale können über 1.500 Meter tief tauchen und bis zu eine Stunde unter Wasser bleiben.
  • Blainville-Schnabelwale erreichen Tiefen bis 700 Meter mit 50 Minuten Tauchzeit.
  • Cuvier-Schnabelwale sind Rekordhalter unter den Meeressäugern: dokumentierte Tauchgänge bis über 2.900 Meter und drei Stunden Dauer.

Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Tiefseekalmaren, ergänzt durch Fische.

Bestand und Bedrohungen

Die Bestände der meisten Schnabelwalarten sind unklar. Der Cuvier-Schnabelwal gilt laut IUCN als nicht bedroht (Least Concern), wohingegen die Datenlage zu den meisten anderen Arten unzureichend ist (Data Deficient).

Bekannte Bedrohungen sind:

  • Militärische Sonareinsätze, die nachweislich Massenstrandungen verursachen,
  • Plastikverschmutzung und Beifang,
  • sowie mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf Nahrungsquellen.

Der aktuelle Fall auf Sylt verdeutlicht, wie verletzlich gerade Entenwale bei Strandungen sind.

Seltene und wenig erforschte Arten

Einige Schnabelwale sind bis heute kaum dokumentiert. Dazu gehört der Bahamonde-Schnabelwal, dessen Existenz nur durch wenige Schädel- und Strandungsfunde bestätigt ist. Über Lebensräume und Populationen dieser Art ist nichts Sicheres bekannt.

Fazit

Ob Entenwal, Blainville- oder Cuvier-Schnabelwal – die Vertreter der Schnabelwale bleiben rätselhafte Meister der Tiefe. Ihre beeindruckenden Rekordtauchgänge, ihre geheimnisvolle Lebensweise und die lückenhafte Forschung machen sie zu Symbolen der unerforschten Ozeane. Der aktuelle Strandungsfall auf Sylt unterstreicht, dass dringend mehr wissenschaftliche Erkenntnisse notwendig sind, um diese Tiere zu schützen.

Quellen

  • NDR: [Sylt: Angetriebener Wal im Watt erschossen]1
  • Wikipedia: [Schnabelwale]2
  • Wikipedia: [Entenwal]3
  • Lobosonda – Meeressäuger Madeira4
  • iNaturalist: [Schnabelwale Verbreitung]5
  • Futurismo: [Blainville-Schnabelwal]6
  • Animalia.bio: [Cuvier-Schnabelwal]7
  • Delphinschutz Wiki: [Bahamonde-Schnabelwal]8
  • Wikipedia: [Bahamonde-Schnabelwal]9

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Stefan Kny
Stefan Kny
Stefan Kny ist Verleger, Journalist und Chefredakteur. Auf syltexklusiv.com schreibt er mit Begeisterung über das, was ihn bewegt: von Ausstellungen und Autotests bis hin zu neuen Themenwelten, die auf Sylt beginnen – oder dort ihre ganz eigene Tiefe entfalten.

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