Pictografien von Oliver Marco Pohl | 2. November 2026 bis 26. Februar 2027 im Kaamp-Hüs
Manchmal braucht es nur einen Augenblick. Einen Streifen Licht auf dem Wasser. Nebel, der Konturen verschwinden lässt. Eine Spur im Sand, die im nächsten Moment schon wieder fortgespült sein kann. Oliver Marco Pohl sucht diese Momente nicht. Er findet sie.
Vom 2. November 2026 bis zum 26. Februar 2027 zeigt das Kaamp-Hüs in Kampen unter dem Titel „Kathedralen des Lichts“ rund 25 Arbeiten des Sylter Künstlers. Pohl nennt sie selbst Pictografien – eine Wortschöpfung für Bilder, die für ihn weit mehr sind als Fotografien. Sie sind Fotografie, Gemälde und Poesie zugleich. Und jedes von ihnen trägt eine Geschichte in sich.

Wasser, Sand, Wolken, Nebel und vor allem das Licht werden in seinen Arbeiten selbst zu Akteuren – eine Osmose des Sichtbaren. Eine Pricke wird zum Pilgerstab, ein Stein zum Seismografen, eine Spur im Sand zur Erinnerung an Bewegung. Das Meer zeichnet, das Licht verändert, der Wind verwischt. Pohls Bilder bewegen sich dabei zwischen Landschaft und Abstraktion – vertraut und gleichzeitig entrückt.
Inszeniert ist daran wenig. Pohl arbeitet mit dem, was da ist: mit dem vorgefundenen Licht, der Bewegung des Wassers und einem ausgeprägten Gespür für den besonderen Moment. Seine Leica ist dabei sein ständiger Begleiter.
Der gebürtige Berliner lebt seit Jahrzehnten auf Sylt. Bevor Bilder zu seiner Sprache wurden, war es das geschriebene Wort: Pohl kommt ursprünglich aus der Lyrik, hat Novellen veröffentlicht, liebt das Wort und besitzt bis heute eine enge Verbindung zur Sprache. Vielleicht erklärt das auch den erzählerischen Charakter seiner Fotografien. Er schaut genau hin – auf Menschen ebenso wie auf seine Umgebung.
Die Fotografie ist für ihn Rückzugsort. Im Alltag begegnet er Menschen und Themen, die viel Aufmerksamkeit fordern. Am Meer braucht er dagegen niemanden. Nur Wind, Wasser, Weite und Zeit. Allein zwischen Wellen und Horizont verliert diese Zeit für ihn ihre Bedeutung.
Auch der Titel „Kathedralen des Lichts“ bezeichnet deshalb keinen sakralen Ort. Gemeint sind jene seltenen Augenblicke, in denen Licht einen Raum verändert und aus einer vertrauten Landschaft für wenige Sekunden etwas vollkommen Neues entstehen lässt.
Pohls Pictografien erzählen damit nicht einfach vom Meer. Sie erzählen von Wahrnehmung, Erinnerung und Vergänglichkeit – und von der Möglichkeit, im Sichtbaren etwas zu entdecken, das sich nicht unmittelbar erklären lässt.
Am Sonntag, den 8. November um 15 Uhr wird die Ausstellung mit einer Vernissage im Kaamp-Hüs eröffnet. Eine gute Gelegenheit, die Pictografien erstmals im Raum zu erleben und mit Oliver Marco Pohl über seine Arbeiten, ihre Geschichten und die besonderen Momente hinter den Bildern ins Gespräch zu kommen.
Ausstellung: 2. November 2026 bis 26. Februar 2027
Ort: Kaamp-Hüs, Kampen auf Sylt
Öffnungszeiten: entsprechend den aktuellen Öffnungszeiten des Kaamp-Hüs
Eintritt: frei
Titelfoto: Oliver Marco Pohl.



