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Intro
Wenn auf Sylt der Winter seine klare, salzige Kälte über die Insel legt und die Tage kürzer werden, kehrt ein Symbol zurück, das tiefer in der nordfriesischen Kultur verwurzelt ist als fast jeder andere Weihnachtsbrauch: der Jöölboom. Er ist kein gewöhnlicher Festtagsschmuck, sondern ein kulturelles Erbe, das heidnische Wurzeln, christliche Symbolik und das Lebensgefühl der Inselbewohner vereint. Auf Sylt, Föhr, Amrum und dem nordfriesischen Festland gehört der Jöölboom bis heute zu den markantesten Ausdrucksformen regionaler Identität.
Begriff und Verbreitung
Der Begriff „Jöölboom“ stammt aus dem Sylter Friesisch und bedeutet wörtlich „Julbaum“. Auf den Nachbarinseln Föhr und Amrum ist die Bezeichnung „Kenkenbuum“ verbreitet.
Sein Platz ist traditionell die Wohnstube, die Fensterbank oder der Tisch – ein sichtbares Zeichen der Advents- und Weihnachtszeit in vielen nordfriesischen Haushalten. Gerade auf den Inseln und Halligen ist dieser Brauch bis heute lebendig geblieben.
Aufbau und Gestaltung
Der Jöölboom besteht aus einem kleinen hölzernen Gestell, häufig in Bogen- oder Pyramidenform. In diesen Rahmen werden immergrüne Zweige wie Buchsbaum oder Efeu eingeflochten.
Wesentlich für den Jöölboom sind zudem die vier Kerzen, die für die Adventssonntage stehen. Damit erfüllt der Jöölboom auch die Funktion eines Adventskranzes – jedoch mit deutlich regionaler Handschrift.
Symbolfiguren – ein Spiegel friesischer Lebenswelten
Unverwechselbar wird der Jöölboom durch seine Salzteigfiguren, auf Friesisch „Kenkentjüch“. Sie bilden Motive ab, die tief in der Geschichte Nordfrieslands verankert sind:
- Schwein, Kuh, Schaf, Pferd, Hahn – Symbole bäuerlichen Lebens
- Fisch und Segelschiff – Ausdruck der maritimen Tradition
- Mühle – Sinnbild für Arbeit und Versorgung
Am Fuß des Gestells findet sich häufig eine Darstellung von Adam und Eva, umgeben von der Schlange. Dieses Motiv zeigt, wie sich christliche Überlieferungen mit den Alltagswelten der Inselbevölkerung verbinden.
Historische Entwicklung
Die heute bekannte Form des Jöölbooms ist seit dem 19. Jahrhundert nachweisbar. Der Brauch selbst – insbesondere das Schmücken mit symbolischen Figuren – ist deutlich älter und reicht in vorchristliche Wintertraditionen zurück.
Erst später, mit der weiten Verbreitung des Adventskranzes, erhielten die vier Kerzen ihren festen Platz auf dem Jöölboom. Dadurch wurde ein traditioneller Inselbrauch elegant in die allgemeine Weihnachtskultur integriert, ohne seine friesische Eigenständigkeit einzubüßen.
Kulturelle Bedeutung auf Sylt und heute
Heute gilt der Jöölboom als „friesischer Weihnachtsbaum“ – als Ausdruck für Naturverbundenheit, Bodenständigkeit und den Wunsch, regionale Traditionen zu bewahren.
Auf Sylt und den anderen nordfriesischen Inseln tragen Museen, Kulturvereine und Ausstellungen maßgeblich dazu bei, den Jöölboom sichtbar zu halten. Sie vermitteln Wissen über seine Fertigung, erklären die Symbolik und machen das Brauchtum für Gäste erfahrbar, die die Insel nicht nur landschaftlich, sondern auch kulturell kennenlernen möchten.
Foto: In der Strandstrasse 5 bei SYLTKERAMIK kann man seine Wunschkeramik nicht nur selber bemalen, sondern auch auf unzählige Schablonen zurückgreifen wie bspweise den Jöölboom.
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