Der Sonntag auf Sylt zeigt sich herbstlich – und genau das passt. Statt Strandkorb und langen Abenden draußen stehen an diesem Wochenende Stöbern, Klönen und Entdecken auf dem Programm. Also führt mich mein Weg zunächst nach Morsum, ins Muasem Hüs, wo die Morsumer Kulturfreunde zum Markt „Goldener Herbst“ eingeladen haben.
Schon beim Betreten merkt man: Das hier ist kein durchinszenierter Lifestyle-Markt, sondern eine Veranstaltung, die vom Dorf und von den Menschen lebt, die sich hier engagieren. Rund 20 Aussteller waren für das Wochenende angekündigt. Kunsthandwerk, Schmuck, Gestricktes, Grußkarten, Treibholzarbeiten oder Produkte aus der Landwirtschaft – vieles davon Dinge, bei denen man nicht gezielt danach sucht, aber dann doch stehen bleibt.

Genau das macht den Reiz solcher Märkte aus. Man schlendert von Tisch zu Tisch, kommt ins Gespräch, entdeckt Kleinigkeiten und trifft fast zwangsläufig jemanden, den man kennt.

Malen, weben und Bücher entdecken
Auch die Morsumer Kulturfreunde selbst zeigen, was im Ort entsteht. Die Malgruppe präsentiert ihre Arbeiten, während bei den Weberinnen nicht nur das fertige Ergebnis zu sehen ist, sondern auch das Handwerk dahinter. Wer lieber liest, kann in der geöffneten Bücherei nach gebrauchten Büchern und Sylt-Literatur schauen.
Zwischendurch gehört natürlich auch eine Pause dazu. Das Bistro „Wie Zuhause“ sorgt an diesem Wochenende noch einmal für Speisen und Getränke – und bekommt dadurch diesmal eine besondere Bedeutung. Denn das Wochenende des Herbstmarktes markiert zugleich die letzten Öffnungstage des Bistros im Muasem Hüs.
So liegt über diesem „Goldenen Herbst“ auch ein wenig Abschiedsstimmung.
Von Morsum weiter nach Keitum
Doch mein Markt-Sonntag ist damit noch nicht beendet.
Ein paar Kilometer weiter wird auch in Keitum gestöbert. Vor der Sylter Landschlachterei ist Flohmarkt angesagt. Ein völlig anderes Bild als im Muasem Hüs, aber nicht weniger sympathisch: Tische, Kisten, Dinge mit Geschichte und immer wieder die Frage, ob man genau dieses Stück nicht vielleicht doch noch gebrauchen könnte.
Flohmärkte haben ja ihre ganz eigene Logik. Eigentlich braucht man nichts. Und trotzdem findet sich fast immer etwas, das plötzlich unverzichtbar erscheint.
Gerade diese Mischung macht den Sonntag aus: in Morsum Kunsthandwerk und Dorfleben, in Keitum klassischer Flohmarkt. Kein großes Spektakel, sondern zwei Veranstaltungen, bei denen man einfach vorbeischaut, Menschen trifft und ein bisschen länger bleibt als ursprünglich geplant.
Sylt kann auch leise
Natürlich hat auch der ein oder andere Anwohner die Chance genutzt, auf seinen eigenen Flohmarkt aufmerksam zu machen.

Vielleicht sind es gerade diese Tage, die im Herbst besonders gut zur Insel passen.
Wenn es auf den Straßen wieder etwas ruhiger wird und der Sommer langsam Vergangenheit ist, rücken die einzelnen Orte und ihre Veranstaltungen stärker in den Mittelpunkt. Man braucht dafür weder große Bühne noch aufwendiges Programm.
Ein Muasem Hüs voller kleiner Stände, ein Flohmarkt vor der Landschlachterei und genügend Zeit zum Schauen und Schnacken reichen manchmal vollkommen aus.
Ein ziemlich schöner Sylt-Sonntag im Oktober.



