Samstag, Februar 14, 2026

Sylt, meine große Liebe

Zum Valentinstag eine Liebeserklärung an die Insel via Leserbrief.

Du bist kein Ort, den man „besucht“. Du bist ein Gefühl, das bleibt. Ein leises Ziehen im Brustkorb, sobald ich nur deinen Namen höre – als hätte jemand einen alten, sehr persönlichen Song angespielt, den nur wir beide kennen. Zum Valentinstag will ich dir endlich sagen, was ich sonst viel zu oft nur zwischen Windböen, Kaffeeduft und Sandkörnern denke: Ich liebe dich. Auf diese eigensinnige, stürmische, manchmal unvernünftige Art, die man sich nicht aussucht – die einen einfach findet.

Ich liebe dich, weil du dich nie anbiederst. Du bist nicht die Insel, die lächelt, um zu gefallen. Du bist die Insel, die schaut, prüft, abwartet – und dann, wenn du willst, einen Moment schenkt, der so echt ist, dass er alles andere in den Hintergrund drängt. Du bist rau und zart zugleich: draußen die Kante, drinnen die Tiefe. Man kann sich an dir reiben und an dir heilen. Und genau das macht dich so unwiderstehlich.

Ich liebe deine Sprache – die nicht aus Worten besteht, sondern aus Geräuschen. Aus dem Schlagen der Wellen, die bei Westwind wie eine alte Wahrheit anlanden. Aus dem Pfeifen, das um Ecken zieht, durch Dünenkämme, über Reetdächer, in Jackenkrägen. Aus dem Knirschen des Sandes unter Schuhen, als würdest du bei jedem Schritt sagen: „Ich bin noch da. Und ich bin echt.“ Und wenn es ganz still wird, dann hörst du in dir selbst etwas, das du sonst übertönst. Du bist eine Insel, die nicht nur Landschaft ist, sondern ein Spiegel.

Ich liebe, wie du riechst. Nach Salz, nach Tang, nach nasser Wolle und Holz, nach Kaffee, der gegen den Wind kämpft, und nach Sonnencreme, wenn der Sommer sich kurz wichtig nimmt. Du hast diesen Duft, den man nicht konservieren kann. Man nimmt ihn nur mit, indem man ihn in sich einschreibt. Und manchmal, mitten in irgendeiner Stadt, reicht eine feuchte Brise – und plötzlich bist du wieder da. Du bist mein „plötzlich“.

Ich liebe deine Gegensätze, weil sie ehrlich sind. Du kannst an einem einzigen Tag alle Gesichter zeigen: morgens freundlich, mittags streng, abends so schön, dass es fast unverschämt ist. Du bist nicht zuverlässig – und gerade dadurch verlässlich. Denn ich weiß: Was auch passiert, du wirst niemals billig sein. Du wirst niemals glatt werden. Du bleibst ein Versprechen an das Ungezähmte.

Ich liebe deine Dünen, weil sie wie ein Gedanke sind, der sich ständig neu formt. Heute weich, morgen kantig, übermorgen wieder anders. Du lehrst mich, dass Veränderung nicht Verlust ist, sondern Bewegung. Dass man nicht festhalten muss, um zu lieben. Man muss nur da sein. Und wenn ich durch deine Dünen gehe, habe ich das Gefühl, dass mein Kopf endlich Platz hat. Als würdest du all das Überflüssige wegpusten – gnadenlos, aber liebevoll.

Ich liebe deinen Himmel. Dieses große, wechselhafte Theater über dir, das immer spielt und nie müde wird. Die Wolken, die wie Geschichten ziehen. Das Blau, das plötzlich aufreißt, als hätte jemand das Licht eingeschaltet. Und dieses besondere Sylter Grau, das nicht traurig ist, sondern konzentriert – wie ein Satz, der ernst genommen werden will. Du schenkst mir Himmel, wenn ich zu lange nur Decken über mir hatte.

Ich liebe deine Abende, wenn das Licht flach wird und die Insel für einen Moment so aussieht, als hätte sie beschlossen, freundlich zu sein. Wenn die Sonne über dem Watt sich verabschiedet, als wüsste sie, dass Abschied etwas Schönes sein kann. Und ich liebe deine Nächte, wenn der Wind um die Häuser streicht und man im Bett liegt, als wäre man auf einem Schiff. Du wiegst mich nicht in Sicherheit – du wiegst mich in Wahrheit.

Ich liebe die Wege, die du mir gibst. Manche sind breit und leicht, manche führen durch Sand, der jeden Schritt zur Entscheidung macht. Du bist die Insel, auf der man merkt, wie man geht: hastig oder ruhig, abgelenkt oder wach. Du bringst mich zurück in meinen Körper. Du machst aus einem Spaziergang eine Rückkehr.

Und ja: Ich liebe auch deine Eitelkeit. Deine schönen Orte, die wissen, dass sie schön sind. Dein Stil, der manchmal so selbstverständlich daherkommt, als wäre er Naturgesetz. Aber ich liebe dich nicht wegen Glanz. Ich liebe dich, weil hinter dem Glanz etwas Echtes steht: Tradition, Arbeit, Wetter, Geschichte, Salz. Weil du nicht nur Kulisse bist, sondern Charakter.

Ich liebe deine Menschen – die stillen, die kantigen, die herzlichen, die, die nie viel reden und trotzdem alles sagen. Die, die wissen, dass man Respekt nicht fordert, sondern lebt. Und ich liebe die kleinen Momente, in denen man hier plötzlich miteinander ist: ein Nicken am Strand, ein kurzer Satz im Laden, ein Lächeln, das im Wind fast wegfliegt. Du hast diese Art von Nähe, die nicht klammert.

Du hast mich Geduld gelehrt. Du hast mir gezeigt, dass man nicht immer gewinnen muss, um reich zu sein. Dass ein Tag, der nach Meer riecht, manchmal mehr Wert hat als hundert Pläne. Und du hast mir beigebracht, dass Liebe nicht immer weich ist. Manchmal ist sie Wind im Gesicht. Manchmal ist sie Sand in den Augen. Aber sie macht wach. Und sie macht frei.

Sylt, wenn ich ehrlich bin, bist du für mich mehr als Sehnsucht. Du bist ein Maßstab. Für Weite. Für Klarheit. Für Haltung. Du erinnerst mich daran, dass das Leben größer ist als To-do-Listen und Lärm. Dass Schönheit nicht laut sein muss. Dass man manchmal einfach stehen bleiben darf – und schauen.

Zum Valentinstag verspreche ich dir etwas: Ich komme nicht zu dir, um dich zu benutzen. Ich komme, um dich zu fühlen. Um dir zuzuhören. Um dir etwas zurückzugeben – Achtsamkeit, Respekt, Dankbarkeit. Ich will dich nicht besitzen. Ich will dich begleiten. So, wie man etwas liebt, das man nicht erklären kann, ohne es kleiner zu machen.

Und wenn ich wieder abreise – weil das Leben nun mal so ist – dann nehme ich dich trotzdem mit. In meinen Atem, in meine Gedanken, in die Art, wie ich wieder aufrecht gehe. Du bist mein Norden, auch wenn ich weit weg bin. Du bist der Ort, an dem mein Inneres Wind bekommt.

Sylt, meine Liebe: Bleib wild. Bleib widerspenstig. Bleib groß. Bleib du.

Ich liebe dich.
Heute. Und mit jedem Schritt, der mich irgendwann wieder zu dir trägt.

Martha M.

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Bei Syltexklusiv widmet sich die Redaktion den besonderen Geschichten der Insel. Mit journalistischer Sorgfalt und einem feinen Gespür für Stil und Qualität recherchieren und erzählen wir, was Sylt ausmacht.

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