In unserem Fortsetzungskrimi geht es heute mit Teil 25 von Dünengrab weiter. Hier startet der Fortsetzungskrimi.
Es war weit nach Mitternacht, als Heike und Bente die Wache unverrichteter Dinge verließen.
Sie hatten wirklich alles auf den Prüfstand gesetzt. Ohne Erfolg!
Jede Aussage war gelesen, jedes Beweisstück begutachtet worden. Sie waren die Ergebnisse der Spurensicherung durchgegangen, hatten den Tathergang noch einmal rekonstruiert und sogar eine Zeitachse auf dem Clipboard erstellt, um zu überprüfen, ob sie die Abfolge der Ereignisse richtig zusammengesetzt hatten.
Alles war schlüssig und nachvollziehbar, bis auf die Rolle des französischen Au-pair-Mädchens und den Fund der Strickjacke mit dem eingetrockneten Menstruationsblut.
Ihre Schwangerschaft, ihr Telefonat mit Torben Niemann und ihr nächtliches Auftauchen bei Herrn Markmann, um die Polizei zu rufen.
Die Pizza war über die Arbeit kalt geworden, was beide nicht gestört hatte.
Mit dem unbefriedigten Gefühl, etwas übersehen oder in diesem Fall als Polizistin tatsächlich verloren zu haben, hatte Bente die Nachtschicht beendet, Heike mit Ulrike zu ihrer Wohnung begleitet und schließlich ihre eigene Wohnung erreicht.
Als sie sich angezogen auf das Bett legte, fiel sie in einen leichten Dämmerschlaf.
Unruhig warf sie sich im Schlaf hin und her und erwachte schweißgebadet.
Offensichtlich musste sie im Schlaf gestöhnt haben, denn Ulrike stand schwanzwedelnd vor ihrem Bett und leckte beschwichtigend ihre Hand.
Ein Griff zum Handy verriet ihr die Uhrzeit. Es war 3:28 Uhr!
Über dem Icon der Mail-App leuchtete ein kleiner, roter Kreis mit einer 2 darin.
Eine Spam-Mail über Penisverlängerung löschte sie ungelesen.
Die zweite Mail war von Constantin Wissner aus Frankreich.
Er hatte ihr die Akte von Juliette Durand aus dem Krankenhaus in Lyon gemailt.
Bente rieb sich den Schlaf aus den Augen und öffnete die Datei.
Sie begann den Bericht zu lesen und verfluchte ihr mangelhaftes Schulfranzösisch.
Einige Vokabeln musste sie googeln und es dauerte einige Zeit, bis sie sich zum Ende des Berichts durchgearbeitet hatte.
Dem Bericht zufolge war Juliette Durand mit dem Fahrrad gestürzt und so unglücklich gefallen, dass das fast sieben Monate alte Baby in ihrem Bauch gestorben war. Sie hatte ihr Kind tot zur Welt bringen müssen.
Einen Tag später hatte man sie erhängt in ihrem Krankenzimmer aufgefunden.
Bente fröstelte. Plötzlich traten ihr Tränen in die Augen und sie unterdrückte ein Schluchzen. Spontan schrieb sie eine WhatsApp an Anka.
`Du bist das Beste, was ich je zustande gebracht habe! Ich liebe dich. ´
Ihre Gedanken schweiften zu ihrer eigenen Schwangerschaft und Ankas Geburt. Auch wenn das Verhältnis zu ihr momentan schwierig war, so waren die Jahre mit ihr die schönsten ihres Lebens. Sie fragte sich, ob und wann Anka eine eigene Familie gründen würde.
Ein Pling wies auf den Eingang einer WhatsApp hin und Bentes Magen krampfte sich zusammen.
Sie hätte nicht schreiben sollen, schon gar nicht mitten in der Nacht!
Sie rief die Nachricht auf.
`Danke! Das liest sich gut!´
Bente traten Tränen in die Augen. Das war das Netteste, was sie in den letzten Jahren von Anka gehört hatte! Die Frustration über ihre schlechte Beziehung zueinander hatte Bente eine depressive Phase beschert, aus der sie erst herausgefunden hatte, als sie sich nicht mehr bei Anka gemeldet hatte. Es hatte ganze 3 Monate gedauert, bis eine Nachricht von ihr gekommen war, aber mittlerweile sprachen sie einmal im Monat miteinander oder trafen sich zum Essen, aber immer war Anka diejenige, die sich meldete. Bente hatte diese Regel jetzt gebrochen und das war offenbar nicht schlimm gewesen!
Fröhlich nahm sie sich den Bericht wieder vor und erstarrte.
Ihre Augen waren auf eine Zeile ganz am Ende fixiert. Dort stand ein Name.
Binnen einer Millisekunde saß sie aufrecht im Bett und spürte, wie das Blut in ihren Adern pochte und ihr Herz raste.
Keine drei Minuten später startete sie ihren Bulli und wählte Heikes Nummer.
Verschlafen meldete sie sich nach dem sechsten Klingeln.
»Ich hol dich in 5 Minuten ab. Ich hab was gefunden!«
13 Minuten später stand Bentes Bulli auf dem Autozug nach Niebüll. Sie hatten den ersten Zug um 5 Uhr aufs Festland genommen.
In Kooperation mit der Krimi-Autorin Krinke Rehberg präsentieren wir Ihnen den fesselnden Syltkrimi Dünengrab in mehreren Teilen. Jeden Samstag erscheint morgens ab 8.00 Uhr ein neuer Teil, des SyltKrimis. Lehnen Sie sich zurück, lassen Sie sich mitreißen und verpassen Sie Woche für Woche keine Folge des SyltKrimis. Wir lesen uns am kommenden Samstag mit Folge 26 wieder. Titelbild: Unis Riba/Shutterstock.com.