SyltKrimi, Dünengrab Teil 23

In unserem Fortsetzungskrimi geht es heute mit Teil 23 von Dünengrab weiter.  Hier startet der Fortsetzungskrimi.

Das Gesicht des Landtagspolitikers war von Trauer und Fassungslosigkeit gekennzeichnet. 

Bente saß ihm gegenüber. Heike hatte ihm Kaffee angeboten, aber er wollte nichts zu sich nehmen.

»Ich habe sie immer vor Benno gewarnt!«

Seine Stimme brach.

Bente sah zu Heike und signalisierte ihr, keine Fragen zu stellen.

Torben Niemann war aufgebracht und wollte reden. Er würde mehr Informationen liefern, wenn er sich nicht von der Beantwortung ihrer Fragen leiten lassen konnte.

»Immer wieder habe ich sie gedrängt, ihn zu verlassen, aber sie wollte es langsam angehen lassen, wegen Jördis.«

Niemann brach in hemmungsloses Schluchzen aus.

Heike schob ihm eine Box mit Papiertüchern über den Tisch. Er schnäuzte sich und atmete tief ein.

»Ihr Mann war ein gefühlskalter Egoist! Ich glaube, er hat Svea nie geliebt. Allein die Verbindungen ihrer Familie waren für ihn interessant. Er hat sie benutzt, wie er alles benutzt und für seinen Vorteil verwendet hat. Oder hatte, er ist auch tot, oder?«

Bente nickte stumm.

»Immer wieder habe ich sie gedrängt, ihm von uns zu erzählen und einen Schlussstrich unter ihre Ehe zu ziehen, aber sie hatte Angst vor ihm. Das ging sogar so weit, dass sie grundsätzlich verkleidet zu unseren Treffen hier auf der Insel kam, um nicht erkannt zu werden. Im Grunde war es nur dem Au-pair-Mädchen zu verdanken, dass wir uns sehen konnten. Ich habe gelesen, dass sie gesucht wird?«

»Ja, haben Sie Juliette kennengelernt?«

Er schüttelte den Kopf.

»Und Jördis?«

»Leider auch nicht. Svea hatte Angst, dass die Kleine etwas vor ihrem Vater ausplappern würde. Sie hat die ganze Geheimniskrämerei ihretwegen veranstaltet. Jördis war das Wichtigste in ihrem Leben, so wie es bei einer Mutter sein sollte!«

»Aber diese Geheimhaltung war doch sicher auch in Ihrem Interesse? Ein Politiker mit einem Verhältnis zu einer verheirateten Frau wird nicht gern gesehen, oder?«

Er schüttelte den Kopf und Bente bemerkte seine Empörung.

»Meine Frau und ich leben seit einem Jahr getrennt und unsere Scheidung ist in zwei Wochen rechtskräftig. Die Liebe zu einer verheirateten Frau ist kein Rücktrittsgrund für einen Politiker!«

»Warum haben Sie sich am Freitag nicht, wie verabredet, mit Svea Larsen getroffen?«

»Ich wurde erpresst!«

Bente sah überrascht auf.

»Von wem?«

»Benno Larsen steckte bestimmt dahinter, da bin ich mir sicher.«

»Womit sind Sie denn erpressbar?«

Dieser Fall brachte immer neue Rätsel hervor.

»Ich bekam am Freitagmorgen einen Anruf, dass ich mich von Svea fernhalten soll. Ab sofort keinerlei Kontakt.«

»Aber nicht von Benno Larsen!«, sagte Bente.

»Nein, es war eine Frau, sie nannte ihren Namen nicht und der Anruf kam von einer unterdrückten Nummer.«

Wieder rannen Tränen seine Wangen hinab.

»Ich schäme mich so sehr, ich hätte mehr Rückgrat zeigen und zu ihr stehen müssen, aber ich bin eingeknickt.«

Die letzten Worte erstickten in seinem Schluchzen.

»Wie hätte ich wissen sollen, dass er sie umbringt?«

Sie hatten ihm natürlich nicht die neuesten Ermittlungsergebnisse mitgeteilt. Torben Niemann wusste nur aus dem Internet von den Ereignissen und hatte seinem Anwalt zum Glück nicht über seinen Besuch bei der Polizei informiert.

»Hatte die Frau einen Akzent?«

Er sah sie erstaunt an.

»Ja! Sie sprach einwandfreies Deutsch, aber mit französischem Akzent.«

Wieder Juliette Durand!

»Weshalb sind Sie eingeknickt?«

»Sie hat mir gedroht. Sollte ich mich weiterhin mit Svea treffen oder Kontakt zu ihr aufnehmen, würde sie meine Karriere zerstören.«

»Hat sie erwähnt, wie sie das anstellen wollte?«

»Kinderpornographie!«

Heike starrte Bente schockiert an und rückte ihren Stuhl unbewusst ein Stück von Torben Niemann weg.

»Wie kommt sie darauf?«

»Über das Darknet und einen guten Hacker sei es ein Leichtes, Kinderpornos auf meinen Rechner zu spielen und meine E-Mail-Adresse in einschlägigen Foren unterzubringen.«

Bente nickte. Sie kannte Kollegen aus der Abteilung im LKA in Kiel und hatte von solchen Fällen gehört.

Offenbar sagte er die Wahrheit und war kein Pädophiler.

»Wenn irgendein Name in Verbindung mit Kinderpornographie genannt wird, ist die Schuldfrage egal. Dann ist jede Karriere auf Lebenszeit zerstört!«

»Deshalb haben Sie die Forderung befolgt?«

Torben Niemann saß wie ein Häufchen Elend auf seinem Stuhl und schwieg.

»Ich habe sie verraten und jetzt ist sie tot!«

Er tat Bente aufrichtig leid.

»Ich muss Sie das fragen, wo waren Sie in der vergangenen Nacht?«

»Sie glauben, ich…?«, rief er verzweifelt.

Bentes Gesichtsausdruck blieb regungslos.

»Zuhause im Bett!«

»Kann das jemand bezeugen?«

»Ich lebe allein!«

»Also nein. Maik Dreesen ist Ihr Anwalt?«

»Ja, aber ich habe ihn noch nicht angerufen.«

»Woher kennen Sie Herrn Dreesen?«

»Keine Ahnung, er ist mir empfohlen worden. Ich war einmal bei einem Empfang in seiner Kanzlei eingeladen. Dort habe ich Svea kennengelernt.«

Bente betrachtete Niemann. Er war erst auf den zweiten Blick attraktiv, aber auf jeden Fall empathisch. Svea Larsen hatte mit ihm mehr Geschmack bewiesen als mit ihrem Ehemann.

»Haben Sie viel mit Maik Dreesen zu tun?«

Er schüttelte den Kopf.

»Nicht persönlich. Mein Sekretariat schickt ihm Verträge und manchmal hilft er bei Verhandlungen mit schwierigen Lobbyisten. Dreesen findet immer eine Lösung!«

»Ist das so?«

Niemann war mit den Gedanken bei seiner toten Geliebten. Die Fragen nach Dreesen hatte er zwar beantwortet, ihnen aber keine Bedeutung beigemessen.

»Die arme Jördis, was passiert jetzt mit ihr? Was für ein trauriges Schicksal für die Kleine.«

»Sie bleibt wahrscheinlich bei ihren Großeltern mütterlicherseits.«

»Was nützt das ganze Vermögen, wenn man keine Eltern mehr hat.«, murmelte er ergriffen und wieder füllten sich seine Augen mit Tränen.

Als Heike Torben Niemann hinausbegleitete, rief Flackner wieder auf Bentes Handy an.

»Das Blut auf der Strickjacke stammt nicht von einer Verletzung!«

»Moment, was?«

»Ich dachte, du würdest es gleich wissen wollen!«

»Klar!«

»Die Laboruntersuchung hat gezeigt, dass es sich um Menstruationsblut handelt!«

Bente stockte der Atem und wieder tauchte ein neues Puzzleteil auf.

»Wie kommt es auf die Strickjacke?«

»Du bist das Genie, aber für mich sieht es nach einer Finte aus!«

In Kooperation mit der Krimi-Autorin Krinke Rehberg präsentieren wir Ihnen den fesselnden Syltkrimi Dünengrab in mehreren Teilen. Jeden Samstag erscheint morgens ab 8.00 Uhr ein neuer Teil, des SyltKrimis. Lehnen Sie sich zurück, lassen Sie sich mitreißen und verpassen Sie Woche für Woche keine Folge des SyltKrimis. Wir lesen uns am kommenden Samstag mit Folge 24 wieder. Titelbild: Unis Riba/Shutterstock.com

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