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Als ich ihn jahrelang ignorierte
Ich habe viele Jahre Autos verkauft. Große, schwere, schnelle. Autos, bei denen Türen satt ins Schloss fallen und Motoren Dinge versprechen, die man im Alltag selten braucht.
Und ich habe mich sehr erfolgreich davor gedrückt, jemals einen Smart fahren zu müssen.
Der Smart war für mich lange kein Auto, sondern ein Konzept. Eine Idee, die man verstand, aber nicht erleben wollte. Zu klein, zu wenig Auto, zu viel Verzicht. So blieb es, bis ich fast zwanzig Jahre später in einem saß.
Nicht irgendwo. Sondern auf Sylt.

Ein kleines Cabrio mit Geschichte
Das Fahrzeug war ein Smart Fortwo Cabrio aus dem Dezember 2004. Blaumetallic, Innenraum mit Leder, rund 130.000 Kilometer Laufleistung. Kein Museumsstück, aber liebevoll gepflegt.
Was viele nicht wissen: Der Ursprung dieses Modells liegt nicht bei Mercedes. Die Idee entstand bei Nicolas Hayek, dem Gründer von Swatch. Geplant war ein urbanes Fahrzeug, modular gedacht, reduziert auf das Wesentliche. Mercedes übernahm später Entwicklung und Produktion, und machte aus der Idee ein technisch eigenständiges Automobil.
Sicherheitszelle. Heckmotor. Heckantrieb. Konzepte, die man eher aus größeren Fahrzeugklassen kennt.

Ein anderes Fahrgefühl
Die Überraschung lag nicht in einzelnen technischen Details, sondern im Gesamteindruck. Die hohe Sitzposition, der kurze Radstand, der Motor im Heck, alles ergibt ein sehr direktes, überschaubares Fahrerlebnis.
Die Automatik nimmt Arbeit ab, besonders im Stadt- und Inselverkehr. Der Wagen lässt sich ruhig bewegen, gleichmäßig, ohne Hektik. Tempo entsteht nicht durch Beschleunigung, sondern durch Leichtigkeit.

Warum er gerade auf Sylt funktioniert
Sylt verlangt eigentlich keine großen Fahrzeuge. Die Wege sind kurz, die Straßen schmal, der Rhythmus anders. Offen zu fahren bedeutet hier vor allem: Wind, Licht, Luft. Nicht Geschwindigkeit.
In diesem Umfeld passt der Smart erstaunlich gut. Parken wird zur Nebensache, Wenden ist unkompliziert, Bewegung bleibt entspannt. Das Fahrzeug ordnet sich ein, statt Raum zu beanspruchen.
Beliebt geblieben – trotz bekannter Schwächen
Der Smart 450 ist bis heute häufig im Alltag zu sehen. Nicht als Liebhaberstück, sondern als Gebrauchsauto. Der Grund liegt in seiner grundsätzlichen Zuverlässigkeit. Viele Exemplare erreichen hohe Laufleistungen, wenn Wartung und Umgang stimmen.
Ganz ohne Schwächen ist das Modell nicht. Elektrische Komponenten können auffällig sein, Fensterheber und Schlösser verlangen manchmal Aufmerksamkeit, das Cabrioverdeck benötigt Pflege. Auch der Antrieb verzeiht keine dauerhafte Überforderung.
Das ist bekannt – und gehört zur Realität dieses Fahrzeugs.
Weniger Auto, mehr Klarheit
Der Smart 450 richtet sich nicht an Menschen, die beeindrucken möchten. Er bietet keinen Überschuss, keine Inszenierung. Dafür Klarheit in Nutzung, Abmessung und Zweck.
Vielleicht war das der Grund, warum ich ihn lange übersehen habe.
Fazit
Der Abstand von zwanzig Jahren verändert den Blick.
Und manchmal reicht ein kleines Cabrio auf einer Insel, um eine alte Einschätzung neu einzuordnen.
Technik · Smart Fortwo Cabrio (Baureihe 450)
Bauzeit Baureihe 450: 1998–2007
Karosserie: Zweisitziges Cabrio
Antriebskonzept: Heckmotor / Heckantrieb
Getriebe: Automatik
Leergewicht: ca. 730–790 kg
Verbrauch (Praxis): ca. 4,5–5,5 l/100 km
Motorvarianten (450)
- 0.6 Benzin · 33 kW / 45 PS
- 0.7 Benzin · 37 kW / 50 PS
- 0.7 Benzin · 45 kW / 61 PS
- 0.7 Benzin Brabus · 55 kW / 75 PS
- 0.8 CDI Diesel · 30 kW / 41 PS
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