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Intro:
Es gibt Sätze, die stellt man am besten nicht als Behauptung, sondern als Frage. Dieser gehört dazu. Denn ja, genau so war es gedacht! Der Porsche 928 sollte einmal der Nachfolger des 911 werden.
Nicht ergänzen, nicht flankieren, sondern ersetzen. Heute wirkt das wie ein Irrtum der Geschichte. Damals war es ein ernst gemeinter Plan.

Anspruch und Ausgangslage
Der 928 trat nicht als Rebell auf. Er kam sachlich, technisch begründet, fast nüchtern. Frontmotor statt Heckmotor. V8 statt Sechszylinder-Boxer, Komfort statt Nervosität. Porsche wollte einen modernen Gran-Turismo etablieren, geeignet für lange Strecken, hohe Dauergeschwindigkeiten und eine neue Kundengruppe.
Der 911 galt intern als schwierig, laut, eigenwillig.
Der 928 sollte das bessere Auto sein.
Technik statt Mythos
Technisch war er in vielerlei Hinsicht deutlich kultivierter.

Transaxle – das unterschätzte Herzstück
Das Herzstück war die Transaxle-Bauweise.
Der Motor saß vorne, das Getriebe hinten, direkt an der Hinterachse angeflanscht. Verbunden durch eine starre Welle. Das Ergebnis war eine nahezu ideale Gewichtsverteilung. Kein kopflastiges Fahrgefühl, kein nervöses Heck. Stattdessen Ruhe, Stabilität und ein sehr berechenbares Fahrverhalten, auch bei hohen Geschwindigkeiten.
Bemerkenswert: Das Automatikgetriebe stammte von Mercedes und saß komplett im Heck. Eine Entscheidung, die weniger mit Sparsamkeit als mit Vernunft zu tun hatte. Die Mercedes-Automatik galt als robust, kultiviert und langstreckentauglich. In Verbindung mit dem 8-Zylinder passte sie hervorragend zum Charakter des Fahrzeugs. Der 928 wollte nicht beeindrucken, er wollte funktionieren.
Ein schwieriger Start
Ein faszinierendes Auto, und doch war der Start holprig.
Die ersten 928 trugen zwar einen V8 unter der Haube, lieferten aber keine sportlichen Fahrleistungen, die dem Anspruch oder dem Preis entsprachen. Leistung und Gewicht standen in einem ungünstigen Verhältnis. Der Wagen war souverän, aber nicht aufregend. Für einen Porsche ein Problem.

Der späte Durchbruch, der keiner wurde
Erst das erste Facelift brachte spürbare Verbesserungen. Mehr Leistung, feinere Abstimmung, mehr Präsenz. Der Erfolg stellte sich ein, allerdings nur mäßig. Zu teuer, zu anders, zu wenig Mythos.
Der 911 blieb, der 928 musste sich erklären. Und das ist selten eine gute Ausgangslage.
Ein Auto für Strecke, nicht für Schlagzeilen
Was viele damals nicht verstanden haben, der 928 war kein Sportwagen im klassischen Sinn. Er war ein Hochgeschwindigkeitsfahrzeug für Menschen, die fahren wollten, nicht diskutieren.
Seine Qualität erschloss sich nicht auf der Probefahrt, sondern nach Stunden. Auf der Autobahn, nachts, bei konstant hohem Tempo. Dort war er deutlich überlegen und eigentlich konkurrenzlos.
Heute bekommt der 928 wieder Aufmerksamkeit. Ein wenig! Noch immer nicht die, die er verdient. Vielleicht, weil er sich bis heute jeder einfachen Einordnung entzieht. Vielleicht auch, weil er nie laut um Anerkennung gebeten hat.
Der 928 war ein mutiger Porsche. Einer, der seiner Zeit voraus war. Und ja, einer der den 911 ablösen sollte. Dass er daran gescheitert ist, sagt weniger über den 928 aus, als über die Macht von Ikonen.

Design, Raum und Haltung
Zum Gesamtkonzept gehörte auch das Design. Der 928 wollte nicht provozieren. Seine Linien waren glatt, funktional, fast sachlich. Die großen Klappscheinwerfer, die breiten Schultern, die lange Haube, alles folgte der Technik. Selbst die Stoßfänger waren integraler Bestandteil der Karosserie, nicht aufgesetzt, sondern mitgedacht.
Der Wagen wirkte geschlossen, ruhig, wie aus einem Guss. Kein Zierrat, keine Spielerei.
Unterschätzt wurde lange auch seine Alltagstauglichkeit. Der 928 bot einen für diese Fahrzeugklasse bemerkenswert guten Laderaum. Die große Heckklappe machte ihn nutzbar, nicht nur sichtbar. Dazu kamen die sehr breiten, schweren Türen, ein Detail, das bis heute fasziniert. Sie vermittelten Solidität, Sicherheit und Ernsthaftigkeit. Man stieg nicht ein, man nahm Platz.
Und dann war da noch die Geschwindigkeit. Der 928 war kein Auto, das Tempo inszenierte. Er tat es einfach. Wer ihn ließ, fuhr sehr schnell, und bemerkte es oft erst spät.
Persönlich war es das erste Fahrzeug, mit dem ich bereits 1990 die 300 km/h erreicht habe. Ohne Drama, ohne Nervosität. Genau das war seine besondere Qualität.
Manchmal ist das bessere Auto nicht das erfolgreichere. Aber oft das interessantere.

Porsche 928 S4 – Technische Daten
Motor: V8, wassergekühlt
Hubraum: 4.957 cm³
Leistung: ca. 320 PS
Drehmoment: ca. 430 Nm
Antrieb: Hinterradantrieb
Getriebe: 5-Gang-Schaltgetriebe oder 4-Stufen-Automatik (Mercedes)
Bauweise: Frontmotor mit Transaxle-Layout
0–100 km/h: ca. 5,9 s
Höchstgeschwindigkeit: ca. 270 km/h (je nach Übersetzung)
Baujahre: 1987–1991
Modellvarianten Porsche 928 (Kurzüberblick)
928 (1977–1982) V8 mit 4,5 Litern, zurückhaltende Leistung, Fokus auf Komfort
928 S (1980–1983) Mehr Leistung, erste sportlichere Ausrichtung
928 S2 (1984–1986) Weiterentwickelter Antrieb, noch immer eher Gran Turismo als Sportwagen
928 S4 (1987–1991) Vier Ventile pro Zylinder, deutlicher Leistungssprung, ausgereiftestes Gesamtpaket
928 GT (1989–1991) Sportlichere Abstimmung, ausschließlich Schaltgetriebe
928 GTS (1992–1995) 5,4-Liter-V8, breitere Karosserie, stärkste und letzte Ausbaustufe
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