Die Wellhornschnecke – Raubtier der Gezeitenzone und Architektin bizarrer Eikapseln

Robust, räuberisch und rätselhaft – so lässt sich die Wellhornschnecke (lat. Buccinum undatum) treffend beschreiben. An den Küsten des Nordatlantiks beheimatet, ist sie eine der größten Meeresschnecken in europäischen Gewässern. Besonders auffällig sind ihre kunstvollen Eikapseln, die oft wie geheimnisvolle, schwammartige Gebilde am Strand angespült werden. Doch was hat es mit diesen Strukturen auf sich – und mit dem Tier, das sie produziert?

Lebensraum und Aussehen

Die Wellhornschnecke lebt bevorzugt auf sandigem oder schlammigem Untergrund in kühlen, gemäßigten Meeresregionen. In der Nordsee ist sie weit verbreitet – etwa an der deutschen Nordseeküste, den britischen Inseln oder im Skagerrak.

Das auffällig spiralig gedrehte Gehäuse kann bis zu 12 Zentimeter lang werden und hat kräftige Längsrippen, die ihr ein „welliges“ Aussehen verleihen – daher der Name. Die Farbe variiert von cremefarben bis grau-braun, häufig mit rötlichen oder violetten Tönungen.

Räuberisches Verhalten

Trotz ihres gemächlichen Tempos ist die Wellhornschnecke ein aktiver Jäger. Sie ernährt sich von Würmern, kleinen Krebsen und Muscheln. Mit ihrem langen Rüssel und einer raspelartigen Radula (Zunge) kann sie sogar Muschelschalen aufbohren, um an das Fleisch zu gelangen. Sie ist damit ein wichtiger Teil des ökologischen Gleichgewichts im Wattenmeer – und ein gefürchteter Gegner für sesshafte Tiere.

Fortpflanzung – ein kunstvolles Geheimnis

Das eigentlich Faszinierende an der Wellhornschnecke sind jedoch ihre Eikapseln, die im Frühling oft zu Hunderten im flachen Wasser oder an Felsen haften – oder nach Stürmen an den Strand gespült werden.

So entstehen die Eikapseln:

  • Jedes Weibchen legt im Frühjahr mehrere hundert kissenartige Kapseln ab, die in Gruppen an festen Untergründen befestigt werden.
  • Eine Eikapsel ist etwa 1 bis 2 Zentimeter groß, hat eine gelbliche bis braune Farbe und eine zähe, hornartige Konsistenz.
  • In jeder Kapsel befinden sich mehrere Hundert Eier, von denen jedoch nur ein kleiner Bruchteil überlebt.

Interessanterweise dienen viele der unbefruchteten Eier als erste Nahrung für die schlüpfenden Larven – ein frühes Beispiel für „Geschwister-Kannibalismus“. Die überlebenden Jungschnecken verlassen nach einigen Wochen als kleine Miniaturen der Eltern die Kapsel – fertig entwickelt, ohne Larvenstadium.

Strandfunde: Der „Schnecken-Schwamm“

Wer an der Nordsee spazieren geht, findet manchmal bizarre, schwammartige Klumpen mit vielen kleinen Poren – das sind leere Eikapsel-Ansammlungen der Wellhornschnecke. Sie wirken leicht und brüchig, sind aber ein Überbleibsel intensiver Fortpflanzung. Oft halten Spaziergänger diese Gebilde für Pflanzenteile oder Schwämme – dabei sind sie das Werk eines der effektivsten Jäger im Flachwasserbereich.

Bedeutung für Mensch und Umwelt

In einigen Regionen, z. B. in Großbritannien oder Kanada, wird die Wellhornschnecke als Delikatesse gefangen. In Frankreich heißt sie bulot und wird dort ähnlich wie Miesmuscheln zubereitet. Aufgrund von Überfischung in manchen Gebieten unterliegt sie jedoch teilweise Fangquoten und Schonzeiten.

Außerdem gelten ihre Eikapseln als Bioindikatoren, denn ihre Anzahl und Verteilung geben Aufschluss über die Wasserqualität und die Biodiversität am Meeresgrund.

Fazit:

Die Wellhornschnecke ist weit mehr als nur ein unscheinbares Weichtier: Sie ist ein robuster Überlebenskünstler, ein geschickter Räuber – und eine erstaunliche Baumeisterin. Ihre Eikapseln erzählen Geschichten vom Leben im Verborgenen, vom Überlebenskampf und von der Schönheit der Natur, die oft im Kleinen verborgen liegt.

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