Donnerstag, März 19, 2026

Der MASERATI aus Paris

Intro:

Der Citroën SM gehört zu jenen Automobilen, deren Bedeutung sich erst mit etwas Abstand vollständig erschließt. Als er 1970 vorgestellt wurde, war er bereits eine ungewöhnliche Erscheinung. Flach, lang, aerodynamisch gezeichnet und technisch so eigenständig, dass sich kaum ein direkter Wettbewerber finden ließ.

Der SM war ein Gran Turismo, allerdings nach französischer Interpretation. Er verband hohe Reisegeschwindigkeit mit außergewöhnlichem Komfort und einer technischen Philosophie, die sich deutlich von der klassischen Sportwagenwelt unterschied.

Eine ungewöhnliche Allianz

Ende der sechziger Jahre suchte Citroën nach einem Fahrzeug oberhalb der erfolgreichen DS. Ein Wagen für lange Strecken, repräsentativ und schnell, ohne die eigenen technischen Grundprinzipien aufzugeben.

Die entscheidende Voraussetzung entstand 1968 mit der Übernahme von Maserati. Damit verfügte Citroën plötzlich über etwas, das im eigenen Haus nie entwickelt worden war: einen leistungsstarken Sportwagenmotor.

Aus dieser Verbindung entstand der SM. Das Kürzel wurde offiziell nie vollständig erklärt, doch in der Praxis stand es für eine Kombination aus Sport und Maserati.

Italienische Motorentechnik

Im Zentrum des Fahrzeugs arbeitete ein neu entwickelter V6-Motor aus Modena. Maserati-Ingenieur Giulio Alfieri konstruierte ein kompaktes Triebwerk, das sich in die für Citroën typische Frontantriebskonstruktion integrieren ließ.

Der 2,7-Liter-Motor leistete rund 170 PS. Spätere Versionen erhielten drei Liter Hubraum und bis zu 180 PS. In Verbindung mit der aerodynamischen Karosserie ermöglichte das Höchstgeschwindigkeiten von über 220 km/h.

Damit gehörte der SM zu den schnellsten Fronttrieblern seiner Zeit.

Technik jenseits der Konvention

Der eigentliche Charakter des SM lag jedoch nicht allein im Motor. Wie schon bei der DS setzte Citroën auf eine Vielzahl technischer Besonderheiten.

Die hydropneumatische Federung sorgte für konstanten Fahrkomfort und eine automatische Niveauregulierung. Die Hochdruckbremse arbeitete ohne klassischen Pedalweg. Besonders auffällig war die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung DIRAVI, die das Fahrzeug selbstständig in die Mittellage zurückführte.

Hinzu kamen sechs hinter Glas liegende Scheinwerfer, von denen zwei dem Lenkeinschlag folgten. In den frühen siebziger Jahren wirkte diese Technik beinahe futuristisch.

Der Mythos vom Witwenmacher

Der SM erhielt im Laufe der Jahre auch einen Ruf, der nicht ganz zu seinem Charakter passte. In Teilen der Presse tauchte der Begriff des „Witwenmachers“ auf.

Der Ursprung lag weniger in echter Gefährlichkeit als in der ungewöhnlichen Technik des Fahrzeugs. Die DIRAVI-Lenkung reagierte extrem direkt und stellte sich selbsttätig in die Mittellage zurück. Gleichzeitig arbeitete die Hochdruckbremsanlage ohne das gewohnte Pedalgefühl.

Fahrer, die diese Eigenschaften nicht kannten, brauchten eine kurze Eingewöhnung. Wer sie verstand, erlebte dagegen ein ausgesprochen stabiles Hochgeschwindigkeitsfahrzeug mit bemerkenswertem Geradeauslauf.

Der Ruf blieb dennoch bestehen und trug ein Stück weit zum Mythos des SM bei.

Ein Präsident im SM

Auch politisch erhielt der Wagen Aufmerksamkeit. Für den französischen Präsidenten Georges Pompidou entstanden zwei verlängerte SM-Limousinen, die bei Staatsbesuchen und offiziellen Paraden eingesetzt wurden.

Der SM wurde damit zu einem Symbol französischer Ingenieurskunst und nationaler Eleganz.

Ein Projekt seiner Zeit

Der Marktstart des SM fiel jedoch in eine Phase wirtschaftlicher Veränderungen. Die Ölkrise der frühen siebziger Jahre veränderte die Nachfrage nach leistungsstarken Fahrzeugen deutlich.

1974 geriet Citroën in finanzielle Schwierigkeiten und wurde von Peugeot übernommen. In der neuen Konzernstruktur passte ein technisch aufwendiger Gran Turismo nur noch begrenzt ins Programm.

Die Produktion endete 1975 nach rund 12.900 Fahrzeugen.

Die stille Faszination

Heute gilt der SM als eines der ungewöhnlichsten europäischen Automobile seiner Epoche. Er vereint französische Ingenieursfreude mit italienischer Motorentechnik und einem Design, das auch Jahrzehnte später noch eigenständig wirkt.

Der Maserati aus Paris war nie ein gewöhnlicher Sportwagen. Er war ein Reiseautomobil für hohe Geschwindigkeiten und große Distanzen.

Vielleicht erklärt genau das seine besondere Stellung. Der SM entstand in einer Zeit, in der Hersteller noch bereit waren, technische Wege zu gehen, die heute kaum noch denkbar wären.

Technische Daten – Citroën SM

Motor
V6-Motor von Maserati
2,7 Liter Hubraum (später 3,0 Liter)
Leistung: 170–180 PS

Antrieb
Frontantrieb
5-Gang-Schaltgetriebe oder 3-Gang-Automatik

Fahrleistungen
0–100 km/h: ca. 8,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: etwa 220 km/h

Besondere Technik
Hydropneumatische Federung
DIRAVI-Servolenkung mit automatischer Rückstellung
Hochdruckbremsanlage
Lenkbare Scheinwerfer

Produktion
Bauzeit: 1970–1975
Produktion: ca. 12.900 Fahrzeuge
Montage: Frankreich

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David Brunnert
David Brunnerthttps://autosylt.de
David Brunnert, Baujahr 1970, ist seit 1987 in der Kfz-Branche zu Hause. Als gelernter Kfz-Mechaniker und zertifizierter Automobilverkäufer der Marke Mercedes-Benz verbindet er technisches Know-how mit langjähriger Verkaufserfahrung. Seit 2018 ist er als Dienstleister für exklusive Fahrzeughersteller tätig und regelmäßig am Steuer von Luxusfahrzeugen und Supersportwagen. In seiner Kolumne auf syltexklusiv teilt er seine Begeisterung für außergewöhnliche Autos – kompetent, authentisch und mit einem besonderen Blick für das Besondere.
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