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Intro
Der Dino 308 GT4 fällt nicht sofort auf. Seine Linien sind klar, beinahe nüchtern. Kein dekorativer Schwung, keine vertraute Handschrift.
Wer ihn betrachtet, erkennt schnell: Dieser Ferrari folgt anderen Regeln.
Das Modell erschien Anfang der siebziger Jahre. Ferrari befand sich in einer Phase technischer Neuorientierung. Neue Motorenkonzepte, neue Fahrzeugarchitekturen, ein veränderter Blick auf Nutzbarkeit. Der 308 GT4 war Teil dieser Entwicklung. Er war der erste Ferrari mit quer eingebautem V8-Motor. Und zugleich der erste serienmäßige Viersitzer mit Mittelmotor.
Diese Fakten allein erklären, warum der Wagen aus der Reihe fiel.

Ein Design gegen die Gewohnheit
Die Karosserie stammt nicht von Pininfarina. Entworfen wurde sie von Bertone. Das Ergebnis war kantig, sachlich, funktional. Keine Inszenierung, keine Reminiszenz an frühere Formen. Der 308 GT4 wirkte wie ein technisches Resultat, nicht wie ein Versprechen.
Gerade diese Zurückhaltung irritierte. Ferrari war bis dahin eng mit einer bestimmten Formensprache verbunden. Der GT4 brach damit bewusst.

Der Ursprung des Namens
Auch der Name wich vom Gewohnten ab. Der Wagen hieß nicht Ferrari, sondern Dino.
Dino war kein Kunstbegriff. Dino war ein Mensch.
Alfredino Ferrari, der Sohn von Enzo Ferrari, arbeitete an kleineren, leichteren Motoren. V6- und V8-Konzepte standen im Mittelpunkt seiner Überlegungen.
Nach seinem frühen Tod entschied Enzo Ferrari, diese Motoren nicht unter dem eigenen Namen zu führen.
Ferrari blieb den Zwölfzylindern vorbehalten. Alles darunter trug fortan den Namen Dino.

Der Maßstab: Dino 246 GT
Der bekannteste Dino vor dem GT4 war der 246 GT. Ein Zweisitzer mit Mittelmotor, fließender Linienführung und klarer Ausrichtung auf Balance und Fahrgefühl. Für viele ist er bis heute einer der überzeugendsten Entwürfe aus Maranello, auch wenn er offiziell kein Ferrari war.
Der 246 GT setzte den Maßstab für das, was Dino bedeutete: kompakte Abmessungen, unmittelbares Fahrverhalten, Konzentration auf das Wesentliche.

Ein stiller Auftritt vor der Kamera
Diese Sachlichkeit machte den Dino 246 GT auch für andere Kontexte geeignet. Unter anderem für eine Hamburger Folge der Krimireihe Tatort, mit Til Schweiger.
Das von uns gestellte Fahrzeug war Teil der Dreharbeiten. Nicht als Blickfang, sondern als glaubwürdiges Element im Bild. Es fügte sich ein, ohne Aufmerksamkeit zu fordern.
Der Schritt nach vorn
Vor diesem Hintergrund wirkte der Dino 308 GT4 wie ein Bruch. Und war doch eine konsequente Weiterentwicklung. Der V8 ersetzte den V6. Das 2+2-Konzept erweiterte den Nutzwert. Die Technik rückte stärker in den Vordergrund als die Form.
Der Anspruch blieb derselbe. Die Ausführung änderte sich.
Ein Name zwischen zwei Welten
Der Name Dino verband beide Fahrzeuge. Den 246 GT als emotionalen Ursprung. Den 308 GT4 als sachliche Fortführung. Beide entstanden aus derselben Idee, kleinere Motoren nicht als Einschränkung zu verstehen, sondern als Konzept.
Der Unterschied lag nicht im Anspruch, sondern im Zeitgeist.
Die späte Einordnung
Später verschwand der Name Dino. Ferrari integrierte die Modelle offiziell ins eigene Programm. Rückblickend markiert das keinen Fehler, sondern den Abschluss einer Phase.
Der Dino 308 GT4 steht heute als Bindeglied. Zwischen Emotion und Vernunft. Zwischen Tradition und technischer Neuordnung.
Er erklärt sich nicht. Er rechtfertigt sich nicht.
Er ist ein Ergebnis.
Technische Daten – Dino 308 GT4
Baujahre: 1973–1980
Motor: V8, quer eingebaut, Mittelmotor
Hubraum: 2.926 cm³
Leistung: ca. 255 PS bei 7.700 U/min
Drehmoment: ca. 284 Nm
Getriebe: 5-Gang-Handschaltung
Antrieb: Hinterrad
0–100 km/h: ca. 6,5 s
Höchstgeschwindigkeit: ca. 250 km/h
Sitzplätze: 2+2
Karosserie: Stahl
Design: Bertone
Besonderheit: erster Ferrari mit quer eingebautem V8 und erster serienmäßiger Viersitzer mit Mittelmotor
Kurzübersicht – Die Dino Modelle
Dino 206 GT (1967–1969)
V6-Mittelmotor, Aluminiumkarosserie. Ursprung der Dino-Linie. Leicht und technisch wegweisend.
Dino 246 GT / GTS (1969–1974)
Weiterentwicklung mit größerem Hubraum und Stahlkarosserie. Maßstab für das Dino-Verständnis.
Dino 308 GT4 (1973–1976)
V8-Motor, 2+2-Sitzkonzept, Design von Bertone. Technischer Umbruch innerhalb der Baureihe.
Ferrari Dino 208 / 308 GT4 (ab 1976)
Mit Aufgabe des Dino-Namens offiziell als Ferrari geführt. Technik weitgehend unverändert, Einordnung angepasst.
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