Donnerstag, Januar 29, 2026

Das Cabriolet, das BMW nie wollte

Die geheime Geschichte des offenen BMW 850i

Ein Luxus-Coupé ohne offenes Pendant

Als BMW Ende der 1980er-Jahre das 12-Zylinder Coupe 850i (E31) vorstellte, markierte der 8er einen technologischen und gestalterischen Neuanfang. Der 850i stand für Souveränität, Laufruhe und eine neue Form von Luxus, fernab klassischer Sportwagen. Ein Cabriolet war in dieser Welt offiziell nicht vorgesehen. Die Karosseriestruktur galt als zu komplex, die Entwicklungs- und Produktionskosten als zu hoch. Das Kapitel „offener 8er“ schien damit abgeschlossen, noch bevor es begonnen hatte.

Eine Idee außerhalb des Konzerns

Der Anstoß kam nicht aus München, sondern von Chris Hahn, dem Gründer der Styling Garage. Sein Unternehmen hatte sich in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren einen Namen mit exklusiven Umbauten gemacht, die sich bewusst außerhalb der Serienlogik bewegten. Hahn erkannte früh das gestalterische Potenzial des E31, auch ohne festes Dach. Nicht als Provokation, sondern als konsequente Erweiterung des ursprünglichen Gran-Turismo-Gedankens.

SGS Monte Carlo: Handwerk statt Konzeptstudie

Unter der Bezeichnung SGS Monte Carlo entstand ein vollwertiges Cabriolet auf Basis des BMW 850i. Der Umbau ging weit über kosmetische Eingriffe hinaus. Umfangreiche Verstärkungen an Bodenstruktur, Seitenschwellern und A-Säulen stellten die notwendige Karosseriesteifigkeit sicher. Das elektrisch betätigte Stoffverdeck wurde harmonisch integriert, die Linienführung blieb nah am Serienfahrzeug. Ziel war kein Showcar, sondern ein alltagstauglicher Gran Turismo in offener Ausführung.

Insgesamt wurden 19 Fahrzeuge gefertigt. Jedes Exemplar entstand in Handarbeit und mit erheblichem technischem wie finanziellem Aufwand.

850i Cabrio BMW

Ablehnung statt Anerkennung

BMW reagierte auf das Projekt mit deutlicher Zurückhaltung. Nicht wegen eventueller Qualitätseinbußen, sondern aus grundsätzlichen Erwägungen. Ein extern realisiertes Cabriolet machte sichtbar, dass es eine Nachfrage gab, und die internen Gedanken, das Fahrzeug nicht zu bauen möglicherweise ein Fehler waren. Zeitzeugen berichten von frühen Planungen eines offenen 8ers. Ein Drittanbieter-Umbau, der wie eine serienreife Alternative wirkte, passte nicht in die kontrollierte Modellpolitik des Herstellers.

Modellbau als zusätzlicher Affront

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte die Entscheidung von Revell, das SGS Monte Carlo als Modellbausatz umzusetzen. Ein Fahrzeug, das offiziell nicht existieren sollte, fand damit seinen Weg in Vitrinen und Sammlungen. Die Reichweite dieser Miniatur verstärkte die öffentliche Wahrnehmung eines Projekts, das BMW lieber leise hätte verschwinden lassen.

Verschwundene Fahrzeuge und offene Fragen

Heute sind weltweit nur noch sieben Fahrzeuge bekannt. Darunter befindet sich ein einziges Rechtslenker-Exemplar. Der Verbleib der übrigen zwölf Wagen ist nicht eindeutig dokumentiert. Hartnäckig hält sich das Gerücht, BMW habe im Laufe der Jahre mehrere Fahrzeuge zurückgekauft und aus dem Verkehr gezogen. Belege dafür existieren nicht. Die ungewöhnlich geringe Zahl erhaltener Exemplare verleiht diesen Erzählungen jedoch bis heute Nahrung.

Technische Daten – bewusst zurückhaltend

Der SGS Monte Carlo basiert technisch vollständig auf dem BMW 850i der frühen 1990er-Jahre. Die wichtigsten Eckdaten:

  • Motor: 5,0-Liter V12 (M70)
  • Leistung: 300 PS
  • Drehmoment: 450 Nm
  • Getriebe: 6-Gang-Schaltgetriebe oder 4-Gang-Automatik
  • Antrieb: Hinterradantrieb
  • Beschleunigung 0–100 km/h: ca. 6,8 Sekunden
  • Höchstgeschwindigkeit: elektronisch begrenzt auf 250 km/h
  • Besonderheit: umfangreiche Karosserieverstärkungen durch Styling Garage

Die Zahlen stehen weniger für sportliche Extreme als für gelassene Leistungsreserven – passend zum Charakter des Fahrzeugs.

850i cabrio rueckansicht

Ein seltenes Kapitel Automobilgeschichte

Das BMW 850i E31 Cabrio von der Styling Garage ist weder ein offizieller Prototyp noch eine Einzelanfertigung. Es ist ein dokumentiertes Kapitel Automobilgeschichte, entstanden außerhalb der Konzernstrukturen. Seine Seltenheit, die handwerkliche Ausführung und die besondere Entstehungsgeschichte machen es heute zu einer der außergewöhnlichsten Varianten des E31.
Aktuell stehen zwei Fahrzeuge zur Verfügung, darunter auch das bekannte Rechtslenker-Exemplar. Sie stehen exemplarisch für eine Zeit, in der Überzeugung, handwerkliche Kompetenz und Mut ausreichten, um eine Idee gegen alle Widerstände Realität werden zu lassen.

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David Brunnert
David Brunnerthttps://autosylt.de
David Brunnert, Baujahr 1970, ist seit 1987 in der Kfz-Branche zu Hause. Als gelernter Kfz-Mechaniker und zertifizierter Automobilverkäufer der Marke Mercedes-Benz verbindet er technisches Know-how mit langjähriger Verkaufserfahrung. Seit 2018 ist er als Dienstleister für exklusive Fahrzeughersteller tätig und regelmäßig am Steuer von Luxusfahrzeugen und Supersportwagen. In seiner Kolumne auf syltexklusiv teilt er seine Begeisterung für außergewöhnliche Autos – kompetent, authentisch und mit einem besonderen Blick für das Besondere.

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